Kita – so ein schlichtes Wort und doch bedeutet es so unglaublich viel. Kita. Kita ist eine Abkürzung für Kindergarten oder Kindertagesstätte. Diese Idee einer gemeinsamen Kindertagesbetreuung für viele Kinder aus unterschiedlichen Familien wurde 1840 in Thüringen vom berühmten Pädagogen Friedrich Fröbel initiiert. Keine sechs Jahre später gründeten sich ähnliche Einrichtungen nach seinem Leitgedanken in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Von dort aus verbreitete sich das Konzept über das gesamte Land und wurde schnell auch international sehr beliebt. Doch warum? Heutzutage ist eine Kita etwas so alltägliches und selbstverständliches in der Gesellschaft geworden, dass wir uns ihrer Relevanz kaum noch bewusst sind – mit Ausnahme natürlich der Eltern, die gerade auf der Suche nach der bestmöglichen Kita für ihren Nachwuchs jeden Stein umdrehen. Folgt das nur dem Trend der überfürsorglichen Helikoptereltern oder haben sie damit recht, dass eine Kita eine hohe Relevanz im Leben des Menschen einnimmt? In unserer Kita „Brüderchen und Schwesterchen“ in Königs Wusterhausen fanden wir die Antwort zu unseren Fragen.
Der gemeinsame Morgen
Bereits um 6 Uhr in der Frühe startet der Alltag in der Kita „Brüderchen und Schwesterchen“. Trotz des zeitigen Angebotes – ideal für Eltern in Frühschichten oder mit langen Pendelzeiten – werden nur wenige Kinder gebracht. Daher werden die Kinder im Alter von null Jahren bis zum Schuleintritt im Alter von 6 bis 7 Jahren in einem Raum in Empfang genommen, bis gegen 7 Uhr sich alle Kinder in ihre Gruppen aufteilen. Die Kinder werden von den Pädagogen in drei Altersstufen gruppiert. Die Bärenbande gehört zu den ältesten Kindern und teilt sich nochmal in mehrere Unter-Gruppen auf: in die Pandas, die Koalas und die Braunbären. Sie sind alle im Alter zwischen 5 und 7 Jahren. Die Kita arbeitet mit einem sogenannten teiloffenen Konzept. Das bedeutet, dass die Kinder in ihren Kerngruppen zusammenbleiben, aber immer wieder die Möglichkeit für den Austausch angeboten bekommen. Für die Bärenbande heißt es viel gemeinsame Zeit untereinander. Nur zum Essen, Schlafen sowie für die Vorschulzeit der ganz Großen werden sie in ihre Untergruppen gerufen. Der Austausch mit den jüngeren Kindern findet mehrmals täglich im Außenbereich statt.
Es ist Zeit für das Frühstück. Julia Krüger, Interims-Leiterin der Kita schneidet Obst und Gemüse in Stiften vor. „Anders als viele andere Einrichtungen bieten wir Vollverpflegung an. Dabei achten wir natürlich darauf, dass sich die Kinder gesund ernähren.“ Zum Frühstück gibt es also nicht nur frische Vitamine, auch Vollkornbrote, dazu passender Aufschnitt oder Aufstrich oder Cerealien werden gereicht. Zu trinken gibt es Tee oder Wasser. Nach und nach stellen sich die Kinder am Frühstücksbuffet an und finden auf ihre Plätze zurück. Die deutlich aufgefülltere Gruppe genießt die Ruhe nach dem freien Spielen. Noch sind nicht alle Kinder da. Doch während der Essenszeiten herrscht Aufnahmestopp. In der kurzen halben Stunde zwischen 7:30 Uhr und 8 Uhr sowie zur Mittagszeit sollen die Kinder idealerweise weder gebracht noch abgeholt werden. Denn nicht nur gesundes Essen ist wichtig, sondern auch die Ruhe dabei. Auch beim Mittagsessen wird auf abwechslungsreiche Kost geachtet. Das Essen wird in der ASB Zentralküche in der Zeesener Werkstatt frisch zubereitet und an die Kita geliefert. Heute wird eine der Leibspeisen für viele Kinder gereicht – Nudeln Bolognese. Doch statt dem Fleisch gibt es eine leckere Linsensauce, die perfekt zu den Vollkornnudeln passt. Die Kinder lieben es. Nur jeder Dritte Deutsche über 14 Jahre zeigt laut einer AWA-Studie aus 2024 ein Interesse an gesunder Ernährung. Inwieweit das Interesse auch in einer täglichen Praxis ausgelebt wird, kann kaum statistisch erfasst werden. Umso wichtiger ist es, bereits frühzeitig gesunde alternative Ernährungsweisen zu vermitteln und eine ausgewogene Versorgung anzubieten.
Kinderleicht Geometrie und Physik


Wie wichtig genau dieses Lernen ist, bewies die langangelegte EPPSE-Studie. Sie ist die größte europäische Langzeitstudie zur Wirksamkeit frühkindlicher Bildung. Was hat man gemacht? Man hat aus verschiedensten Ländern und Einkommens- und Bildungsschichten 3.000 Kinder viele Jahre lang begleitet und untersucht, ob es Unterschiede gibt zwischen denjenigen Kindern, die eine Kita besucht haben und anderen, die von Zuhause von einem Familienmitglied oder Erziehungsberechtigten betreut wurden. Die Unterschiede waren signifikant. Bis zum 16. Lebensjahr zeigten Kita-Kinder deutlich bessere sprachliche und numerische Fähigkeiten, eine positivere Einstellung zum Lernen, ein deutlich sozialeres Verhalten und bewiesen im Vergleich eine bessere Selbstregulation. Ob auch noch im Erwachsenenalter die Unterschiede blieben, ließ die Studie leider unerforscht. Die Effekte sozialer Ungleichheiten, die maßgeblich auf die kindliche Entwicklung wirken, wurden zudem durch den Kita-Besuch verringert.
Ein gelungener Tag
Die Luftballons hängen an den Wänden, der Kuchen bäckt im Ofen und der beste Papierflieger wurde gekürt: Zeit, sich richtig auszupowern. Alle Kinder der Kita haben die gleiche Spielzeit im Garten. So kommen die Kinder auch mit anderen Altersstufen in Kontakt und Geschwisterkinder haben die Möglichkeit, sich wiederzusehen und von ihren Erlebnissen zu berichten. Rennen, Schaukeln, Klettern, Wippen, Rutschen, Gärtnern oder in der Matschküche spielen. Auch hier werden Körper und Geist kindgerecht trainiert. Man muss teilen, Spielpartner finden, Schaukelzeiten untereinander aushandeln oder gemeinsame Burgenbauprojekte koordinieren. Damit die kleinen Körper ihre Energiereserven wieder auffüllen können, rufen die Erzieherinnen nach einer Stunde zum Mittagessen. Dass die vegetarische Variante der Nudeln Bolognese gut ankommt, beweist die lange Schlange an Kindern, die sich bei der Essenausgabe nochmal Nachschlag holen. Gesundes Essen scheint wirklich gut zu schmecken. Auch der Nachtisch in Form einer Birne wird sehr gerne angenommen. Bevor das Mittagstief gnadenlos zuschlägt, werden die Zähnchen geputzt und die Kinder bauen ihre Schlaflager auf. Schlafen ist dabei nicht zwingend Pflicht. Während einige Jungen und Mädchen gleich weggedöst waren, sobald sie ihr Köpfchen aufs Kissen gelegt hatten, lauschen andere der Geschichte „Im Land vor unserer Zeit“, die Juliane Lembcke vorliest. Wiederum andere haben sich etwas abseits zurückgezogen und lesen in aller Ruhe ihre eigenen Bücher.
Während normalerweise nach dem Mittagsschlaf Vesper und viele weitere Angebote sowie weitere Spielzeit im Außenbereich die Kinder bis maximal 18 Uhr in Aktion halten, trudeln ab 14 Uhr scharenweise Großeltern und Eltern ein, um die Kinder in den frühen Feierabend abzuholen. Denn um 15 Uhr beginnt der Tag der offenen Tür in der Kita „Brüderchen und Schwesterchen“. Dass man als Familie auf so einen Tag gerne Rücksicht nimmt und ausnahmsweise die Kinder früher abholt, liegt sicherlich auch an den familienfreundlichen Betreuungszeiten der Kita. Bei den Öffnungszeiten von 6-18 Uhr werden fast alle Arbeitszeitmodelle erfasst. Ein weiterer Vorteil ist der Verzicht auf feste Schließzeiten im Sommer. Familien ohne schulpflichtige Kinder haben so die Chance, auf die günstigere Vor- und Nebensaison auszuweichen, wenn sie verreisen wollen oder sind nicht zwangsweise auf die Großeltern angewiesen, um die Versorgung der Kinder während den Schließzeiten abzusichern, wenn ein Urlaub zu der Zeit betriebsbedingt nicht möglich ist.
International erfolgreich


Ein gelungener Tag