Warum sich das Weiterarbeiten auch nach der Rente lohnt
Ob nach fünf oder 25 Berufsjahren: Jeder hat schon mal heimlich oder höchst offiziell auf seinen Renteneintritt geschielt. Gar keine Frage, manchmal braucht man das in stressigen Situationen. Doch ist die Rente wirklich der ersehnte Heilsbringer nach einem langen Berufsleben? Wir finden es heraus.
Traum trifft Realität
Endlich lange reisen, mehr Zeit fürs Hobby oder die Enkelkinder, eine neue Sprache lernen, auswandern oder einfach mal nichts tun. Viele Menschen sehnen sich danach, in Rente gehen zu können. Was viele dabei vergessen: Dieses Privileg gibt es noch nicht so lange. Erst 1889 wurde eine kleine Invaliditäts- und Alterssicherung eingeführt, die man ab dem 70. Lebensjahr bekommen konnte: 162 Mark jährlich, wenn man als Arbeiter über 30 Jahre in die Versicherung eingezahlt hatte. Davor hieß es arbeiten bis zum Umfallen oder man wurde über die Familie aufgefangen.
Nun ist er aber endlich da, der große Traum vom süßen Nichts-Tun. Man ist in Rente. Doch nach der Euphorie der ersten Monate ohne Wecker und nervige Kollegen schleicht sich der Alltag ein. Und nun? Der Renteneintritt ist ein körperliches, kognitives und psychisches Extremereignis in der Biographie, das nicht nur positive Auswirkungen hat. Viele vermissen das Gefühl gebraucht zu werden, nehmen an geistiger Leistungsfähigkeit ab, sehnen sich nach der sozialen Vielfalt (Ja, ja, die nervigen aber liebgewonnenen Kollegen) und für bestimmte Berufsgruppen birgt die Rente auch körperliche Risiken. Neben dem Geld gibt es also eine Vielzahl an guten Gründen, warum 13 Prozent der Deutschen trotz Renteneintritt weiter zur Arbeit kommen.
1. Finanzielle Vorteile: Rente aufbessern leicht gemacht
Egal wie gut oder schlecht man im aktiven Berufsleben verdient hat, egal wie gut man privat für den Ruhestand vorgesorgt hat, die meisten Menschen haben im Alter deutlich weniger Geld zur Verfügung. Im Durschnitt schrumpft das monatliche Renten-Einkommen auf die Hälfte des letzten Bruttoeinkommens. Viele Ruheständler wünschen sich aber mehr finanziellen Spielraum für Reisen, Familie und Co. Für ein paar Stunden neben der Rente arbeiten zu gehen, kann in vielerlei Hinsicht helfen.
Die Vorteile auf einen Blick:
- Steuerfreier Hinzuverdienst
Von Minijob bis zur Aktivrente. Bis zu gewissen Grenzen kann man steuerfrei sein monatliches Einkommen aufstocken. - Aufstockung der Rente
Wer mit seiner Arbeit weiter in die Rentenkasse zahlt, kann damit seine Rentenbezüge erhöhen. - Keine Rentenkürzung
Wer bereits die Altersvollrente bezieht, kann unbegrenzt hinzuverdienen, ohne dass er befürchten muss, dass ihm die Rente gekürzt wird.
2. Geistig fit bleiben: Arbeit als Hirntraining
Egal wie viel Zeit Sie in der Rente dem Sudoku oder Schwedenrätsel widmen, wenn Sie nicht mehr arbeiten gehen, nimmt Ihre kognitive Leistung ab. Studien belegen, dass der Ruhestand einen ähnlichen kognitiven Abbau wie zehn Jahre Alterungsprozess bewirkt. Das Gehirn funktioniert ähnlich einem Muskel. Die Arbeit, insbesondere wenn sie herausfordernd und abwechslungsreich ist, bietet das nötige Training, um diesen „Muskel“ kräftig und leistungsfähig zu halten. Denn Arbeit verlangt vom Gehirn:
- Problemlösungen
- Kommunikation
- Lernen neuer Aufgaben
Alles mitunter Herausforderungen, weswegen wir uns überhaupt erst nach der Rente sehnen. Doch besonders gut tut der mentale Dauerurlaub unserem Gehirn nachweislich nicht.
3. Soziale Kontakte: Arbeit gegen Einsamkeit
Je älter man wird, desto schwerer tut man sich oft, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende Bekanntschaften zu pflegen. Besonders hart bekommt man das mit dem Eintritt in die Rente zu spüren. Der bisherige Arbeitsplatz – und sei es auch nur für ein paar Stunden in der Woche gewesen – konnte dieses Phänomen kompensieren. Man lernte neue Kollegen kennen und war Teil einer Gemeinschaft
Diese soziale Vereinsamung erhöht das Risiko für Depressionen und Demenz. Besonders Männer leiden stärker bei Renteneintritt unter dem sozialen Verlust. Anders als Frauen sind sie soziale Isolation wie durch eine Elternzeit weniger gewohnt und haben oft private soziale Kontakte weniger gut gepflegt.
4. Aktiv bleiben: Arbeit bewegt
Arbeit bedeutet nicht nur geistige oder zwischenmenschliche Aktivität. Je nach Beruf sorgt sie auch für mehr körperliche Bewegung im Alltag. Selbst Schreibtisch-Täter halten mit kleinen Gängen zwischendurch und ihrer Arbeit den Kreislauf in Schwung. Bereits leichte körperliche Belastung fördert die Gesundheit, hilft gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, stärkt die Muskulatur und das Gleichgewicht. Studien belegen, dass das Risiko für Herz-Kreis-Lauferkrankungen, Krebs und andere chronische Leiden durch Arbeit um bis zu 50 Prozent gesenkt werden kann.
Wegen dem Portemonnaie, wegen der Gesundheit, weil man seine Kollegen vermisst, die Herausforderung sucht oder sein Wissen teilen möchte: Arbeiten im Rentenalter ist für viele Menschen eine Bereicherung. Und das Schöne: Der moderne Arbeitsmarkt bietet flexible Arbeitsmodelle, die genau auf die Bedürfnisse von Senioren zugeschnitten sind. Und immer mehr Unternehmen setzen gezielt auf generationenübergreifende Teams.
