Senioren
Kinder und Jugendliche
Menschen mit Behinderung
Karriere
Retten & Schützen
Über uns

Gemeinsam stark, mit Demenz

 

Jedes Jahr erkranken bis zu 440.000 Menschen an Demenz. Weit mehr sind allerdings von dieser Diagnose betroffen: Freunde, Kollegen, Angehörige. Mit über 1,8 Millionen Deutschen mit Demenz, vielen Millionen mehr, die indirekt mit dieser Erkrankung zu tun haben, ist Demenz längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und damit auch ein Thema für alle. Zeit, es auch als solches zu behandeln. Unsere Angebote der Demenzberatung rücken das Thema dorthin, wo es hingehört: Mitten ins Leben.

 

 

 

Es war ein absoluter Schock für Angelika und ihren Sohn Tilo: Angelika hat Alzheimer-Demenz. Mit 69 Jahren, als sie die Diagnose bekommt, ist die Erkrankung bereits fortgeschritten. Bis zu dieser Erkenntnis haben die beiden einen Ärztemarathon hinter sich. Alles wurde geprüft, alles abgeklopft, denn in so vergleichsweise jungen Jahren dachte man an vieles, nur nicht an degenerativen Abbau des Gehirns. Angelika wurde fahrig und verlor stark an Gewicht – viele Krankheitsbilder kamen dafür in Frage, doch Demenz? Nicht in diesem Alter. Doch, wie sich herausstellte. Binnen kürzester Zeit brach für die sozial engagierte, quirlige und aktive Frau das Leben, wie sie es bis dahin kannte, in sich zusammen. Während man noch ungläubig in einer anderen Klinik auf das Zweitgutachten wartet, wendet sich Sohn Tilo in seiner Verzweiflung an die ASB Demenzberatung, an unsere Kolleginnen Annette Breitmann und Silke Härtel.

Ganzheitlich engagiert

Gemeinsam mit dem Landkreis Dahme-Spreewald bietet der ASB Mittel-Brandenburg seit 2002 Betroffenen und ihren Angehörigen mit der Demenzberatung ein ganzheitliches soziales Unterstützungsprogramm an. Der Begriff „Demenzberatung“ ist dabei deutlich zu kurz gefasst. Natürlich beraten die Kolleginnen auch umfänglich über den Krankheitsverlauf, Umstellungen des Alltags, Hilfsangebote und Kontaktstellen. Doch sie bieten betroffenen Familien auch ganz konkrete Hilfe an. Mithilfe vieler spezieller ehrenamtlicher Helferinnen werden Sportgruppen für Menschen mit Demenz angeboten, eine Betreuungsgruppe wöchentlich umgesetzt, Angehörigentreffen organisiert, Intensiv-Schulungen für Familienmitglieder kostenfrei offeriert, ehrenamtliche Demenzbetreuer für 1-zu-1 Hilfen vermittelt, Freizeitangebote wie Kino-Abende oder Ausstellungen organisiert und natürlich Öffentlichkeitsarbeit betrieben, um das Thema in der Gesellschaft zu enttabuisieren, dafür zu sensibilisieren und Hilfsangebote bekannter zu machen.

Schimpfwörter und Blumen

„Heute war ein Tag in Aktion“, freut sich Angelika, als sie mit ihren ehrenamtlichen Betreuerinnen Sigrid und Yvonne und ihrem Sohn Tilo am Nachmittag am Tisch beisammen sitzt und das Erlebte Revue passieren lässt. Es ist Dienstag. Und sofern kein Arzttermin oder eine andere Verpflichtung drückt, ist Angelika in der Betroffenengruppe für Menschen mit Demenz dabei. Jede Woche werden hier andere Angebote umgesetzt, mal ist es gemeinsames Backen, ein Ausflug, Gesellschaftsspiele… Gerne werden zwischendurch kleine Aufgaben eingestreut, die das Gedächtnis trainieren und so den Verlauf der Erkrankung abmildern sollen. Heute wurden Schimpfwörter trainiert. Das dient natürlich nicht dazu, das Vokabular der Seniorinnen zu erweitern, um sich beim nächsten Ärgernis kreativer ausdrücken zu können. Neben den kognitiven und körperlichen Abläufen für Sprache und Artikulation werden auch Ereignisse und Veränderungen rekapituliert. Fluchen folgt schließlich auch dem gesellschaftlichen Wandel. Im Anschluss daran wurden gemeinsam die langen Hochbeete am Bürgertreff Königs Wusterhausen bepflanzt. Für viele Demenzkranke, die ihr Haus und Garten zugunsten einer altersgerechten Wohnung aufgegeben hatten, ein absolutes Highlight. Auch für Angelika. Sie ist sehr gerne in der Natur und mit den Händen in der Erde. Ab und an nimmt Yvonne sie auch mit in ihren Garten und gemeinsam hegen und pflegen sie das Grün und die Blumen.

Ein Thema mit vielen Perspektiven

Jeden Freitag besucht Yvonne Angelika und genießt mit ihr die kleinen Freuden des Alltags. Sie und Angelika kennen sich bereits seit vielen Jahren und waren eng befreundet, bis sie sich aus den Augen verloren. Durch eine Zufallsbegegnung erblühte diese Freundschaft wieder neu auf. Ein Glück. Denn Angelikas großes soziales Umfeld brach mit ihrer Erkrankung komplett zusammen. „Ich habe viel geweint“, erinnert sich Angelika an die schmerzvollen letzten Jahre. Ihr Sohn Tilo wird konkreter: „Sie hatte sehr viele Freunde und Bekannte. Ich musste mir nie Sorgen machen, dass Mutti Langeweile hat. Mit der Erkrankung verlor sie die Fähigkeit, Kontakte zu pflegen und sich proaktiv zu melden. Und obwohl viele wissen, was mit ihr ist, ziehen sie sich zurück oder brechen den Kontakt völlig ab.“ Und das zu einem Zeitpunkt, wo soziale Kontakte wichtiger denn je werden. „Man ist für Spaß nicht mehr genug, für viele Aktivitäten nicht mehr geeignet. Viele Menschen haben vermutlich schlichtweg Berührungsängste und wissen nicht, wie sie mit Betroffenen umgehen sollen.“ Umso zentraler wurden Menschen wie Yvonne und Sigrid für Angelika. Während Yvonne erst über die gemeinsame Freundschaft als ehrenamtliche Demenzbetreuerin aktiv wurde und sich ausbilden ließ, wurde Sigrid ganz klassisch als Helferin über die Demenzberatung an die Familie vermittelt. Sigrid und Angelika verstanden sich auf Anhieb. Nun kommt Sigrid jeden Montag zu Besuch. Es wird gemeinsam zu Mittag gekocht und gegessen und ein anschließender Spaziergang oft mit einem Eis belohnt. Seit Sigrids Enkel erwachsen ist und sie selbst in Rente, füllt sie ihre Zeit und ihr Bedürfnis nach sozialem Engagement als ehrenamtliche Demenzbetreuerin. Neben Angelika betreut sie eine zweite Seniorin mit Demenz und blüht darin auf. Für Sohn Tilo, der eine Autostunde von seiner Mutter entfernt in Berlin wohnt, ist es eine immense Erleichterung: „Ich habe so tolle Hilfe hier vor Ort, ohne die ich absolut aufgeschmissen wäre!“ Neben einem ambulanten Pflegedienst, Freunde von Tilo und der Demenzhilfe gibt es kaum anderen familiären Rückhalt, Angelika in ihrem Alltag zu unterstützen. Also nimmt Tilo seine Mutter ab und an mit nach Berlin, pendelt viel nach Königs Wusterhausen raus oder unterstützt sie über spezielle Telekommunikationsinstallationen, die in jedem Zimmer eingerichtet wurden. Viele Hände kümmern sich also sehr engagiert, Angelika so lange wie möglich ein normales Leben, so wie sie es gewohnt war, zu ermöglichen.

Ein Thema für alle

Angelikas Geschichte zeigt eindrücklich, dass Demenz uns alle etwas angeht, sich keiner davor wegducken kann, in der Hoffnung, sich erst im hohen Alter damit auseinandersetzen zu müssen. Denn wenn jeder so denken würde, bliebe man mit der Erkrankung und seiner Not alleine. Nein, Demenz ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die wir nur gemeinsam meistern können. Die Diagnose Demenz ist und bleibt ein Schock für viele Betroffene, aber sie ist keineswegs ein Hinderungsgrund für ein schönes und erfülltes Leben. Wer sich auch stark für Menschen mit Demenz machen möchte, hat viele Möglichkeiten. Für Firmen oder Vereine bietet die Deutsche Alzheimer Gesellschaft an, Demenzpartner zu werden. In einem 90-minütigen kostenlosen Kompaktkurs, den man auch online absolvieren kann, erfährt man das Wichtigste zur Erkrankung und Hilfsangeboten und kann so Kolleginnen, Mitarbeiterinnen oder Vereinsmitgliedern erste Hilfestellungen geben. Allen engagierten Privatpersonen steht die Möglichkeit offen, sich als Demenzbetreuerin ausbilden zu lassen und so Betroffene und ihre Familien im Alltag oder Angebote der Demenzberatung zu unterstützen. Helfen Sie also mit. Denn gemeinsam sind wir stark – mit Demenz.

 

Ihr Kontakt zur ASB-Demenzberatungsstelle

Eine Frau lächelt freundlich in die Kamera.

ASB Demenzberatung

Annette Breitmann
Erich-Weinert-Straße 45
15711 Königs Wusterhausen

Tel.: 03375 / 21313 – 21
E-Mail: demenzberatung@asb-mb.de

Eine Frau lächelt freundlich in die Kamera.

ASB Demenzberatung

Silke Härtel
Erich-Weinert-Straße 45
15711 Königs Wusterhausen

Tel.: 03375 / 21313 – 21
E-Mail: demenzberatung@asb-mb.de

It seems we can’t find what you’re looking for.